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Moon Plain


Tasmanien

Die großen Wiesen in der leicht hügeligen Landschaft sind alle gelb. Es muss hier schon seit längerem nicht mehr geregnet haben. Sonnenaufgang
Aber wenn ich jetzt zum Himmel schaue sieht es verdammt nach Regen aus. Ich hoffe nur, dass der starke Wind die Wolken in die andere Richtung treibt. Aber denkste, als wir bei Somerset links auf die A 10 abbiegen, haben wir die schwarze Wolkenwand vor uns. Und es dauert auch nicht lange, da öffnet sie sich. Der kalte Regen hat in kurzer Zeit meine dünnen Handschuhe durchweicht, wieder schwarze Finger, denke ich. Aber das ist sicher nur ein kleines Problem, schlimmer ist die Sicht. Die Straße ist ziemlich kurvig, und aufgrund der tief hängenden Wolken ziehen leichte Nebelschwaden durch die hügelige Landschaft. Und dann fällt mir ein, was der Biker im Hafen von Melbourne erzählt hat, viele Tiere, tote wie lebendige, Splitt und Steine in den Kurven. Dann kommt uns auch noch ein großer Milchwagen mitten auf der Straße entgegen. Nach ca. 80Km kommt ein Wegweiser nach Waratah mit einer „Kaffeetasse". Auf meiner Karte sehe ich, es ist nur eine Stichstraße ca. 50 km lang, am Ende gibt es irgendwo einen Wasserfall. Und auch wenn es nicht unsere direkte Richtung ist, ich biege ab, ich brauche dringend einen warmen Kaffee. Das Roadhouse ist in dem typischen australischen Stil, Tankstelle. Lebensmittelladen, Schnellimbiß. Hier macht der Hausherr das Kaffee kochen, Eier braten und den Abwasch. Die „Hausdame" kassiert und schmiert die Brötchen. Gerald ist ganz entsetzt. Guck mal, die wischt sich ihre Butterfinger im Rock ab, und das nicht zum ersten Mal. Der Kaffe ist ziemlich dünn, dafür ist es in der kleinen Bude aber schön warm. Es kommt noch ein junger Mann rein, der ganz beiläufig, als ich mich gerade mal wieder über die Kälte beklage, in deutsch sagt:" Ja, wir haben 6 Grad, ich bin mit dem Fahrrad unterwegs, mir ist es auch zu kalt" Die Wirtin erklärt auf meine Frage nach dem Wetter, es soll wärmer werden. Mit der Aussage machen wir uns dann frohgemut wieder auf den Weg. Der Himmel ist wirklich etwas heller geworden, gleich steigt auch meine Stimmung wieder. Aber es hält nicht lange an, und es regnet wieder. Es ist zum Haare raufen, an den Wiesen und Feldern links und rechts der Straße sieht man, dass es hier wochenlang nicht geregnet hat. Wieso ausgerechnet heute? Und dann auch noch so kalt! In Rosebery, wir haben 180 km hinter uns, suchen wir eine Unterkunft.Hotel in RoseberyKeiner hat mehr richtig Lust zum fahren. Das einzige Motel im Ort ist noch geschlossen, aber das Zimmermädchen auf dem Laubengang versichert mir, es gibt freie Zimmer. Ab 15:00 ist der Pub geöffnet und wir können buchen.
Weiter fahren macht keinen Sinn, der nächste Ort ist ca. 50 km entfernt und ob da eine Übernachtungsmöglichkeit ist geht aus meiner Karte nicht hervor. Bonsai hat am Ortseingang von Rosebery einen Hinweis auf ein Minen-Museum gesehen. Bei strömenden Regen fahren wir zurück und machen uns auf die Suche nach dem Eingang. Wobei die Hoffnung, ein trockenes Plätzchen für die nächste Stunde zu finden, vordergründig ist.
Nach ein bisschen kreuz und quer fahren stehen wir vor dem Museum, aber, leider geschlossen. Also, zurück in die „Stadt",Mainstreet Rosebery im vorbeifahren haben wir ein „Antique Cafe" entdeckt. Da ist es nicht nur schön warm, da gibt es auch eine schöne, heiße, hausgemachte Karottensuppe. Die Wirtin, auch hier macht der Mann  den Abwasch, erzählt uns von dem Minenmuseum. Es wird von einem älteren Mann betrieben, es ist sein Hobby. Seine Hauptbeschäftigung ist Busfahrer, er fährt die Schulbusse. Sie erklärt uns wo wir den Herrn finden und meint, er würde sich sicher freuen, wenn er uns sein Museum zeigen kann.
Wir fahren also wieder die Hauptstrasse ein Stückchen zurück, und da stehen dann auch schon drei Busse in unterschiedlicher Größe im Vorgarten. Ein, schätzungsweise 70jähriger kleiner grauhaariger Herr fummelt an einem der Türschlösser. Natürlich guckt er uns neugierig an, als wir einfach so in seinen Garten fahren. Als er hört, dass wir seine Adresse von den Wirtsleuten haben, quetscht er irgendein Schimpfwort raus. Ich habe es nicht genau verstanden, es klang ein bisschen wie „alte Zicke". Jedenfalls macht er keinen so glücklichen Eindruck als wir ihn bitten, mal einen Blick in sein Museum werfen zu dürfen. Er überlegt kurz, und bietet uns dann doch ganz freundlich an, wir können auch mit ihm im Schulbus zu dem Museum fahren. Aber ne, nun haben wir uns schon an den Regen gewöhnt, und benutzen dann doch unsere Bikes.
Ja, der alte Herr hat eine erstaunliche Sammlung rund um den Bergbau zusammen getragen. in der Gegend um ROSEBERY wird Eisenerz und Zinn gewonnen. Im Tagebau oder wie hier, Untertage, in dem Bergwerk hinter dem kleinen Museumsgebäude wird Zinn abgebaut. Und bis 1995 arbeiteten hier 1200 Menschen, jetzt sind es nur noch etwa 300 Leute .Rosebery Ja, und genau diesen wirtschaftlichen Abstieg sieht man dem kleinen Ort an, wie wir bei unserem späteren Spaziergang feststellen. Viele Häuser stehen leer, Rosebery,Schulgebäudebei anderen blättert die Farbe ab, es gibt ein relativ neues großes Schulgebäude. Die wenigen Menschen die auf der Straße unterwegs sind schwammig und aufgedunsen. Fast Food und zuviel Bier ?!

Unser Abendessen im Hotel bekommen wir von dem „Zimmermädchen" serviert. Ja, meint sie lachend; ich habe viele Jobs!

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