Australien die Vierte

September 2007

in UNDARA
 

 

Donnerstag 27.09.07

3-tägige Adventure Tour nach Undara zu den Lava Tubes Pünktlich, wie versprochen zwischen 6:55 und 7:05, diese merkwürdige Uhrzeit hatte man mir wirklich bei meiner telefonischen Rückfrage am Vortage genannt, werden wir mit einem Riesenbus am Hotel abgeholt. Auf die Frage, ob wir unsere kleinen Rucksäcke in das untere Gepäckfach legen sollen, grinst der Fahrer nur und meint, nein, ihr habt so viel Platz im Bus! Ha, ha, also Gott sei Dank doch keine allzu große Reisegesellschaft, denke ich, und dann brummt der Bus auch schon los. Der nächste Stop ist wieder an einem Hotel, ein mittelaltes Paar steigt ein. Auf die Art und Weise vergeht etwa eine halbe Stunde, zum Schluss sind wir dann wohl 15 Personen. Irgendwie habe ich den Ablauf der Tour wohl nicht ganz im Kopf, jedenfalls denke ich, als wir am Bahnhof in Cairns ankommen, dass wir alle in den Zug umsteigen müssen. Aber nein, hier wartet ein anderer, wesentlich kleinerer Bus auf uns. Mit lautem „Hallo“ stellt sich der Fahrer vor. „ My name is Graham“! Aha, es geht also mit dem, nun nicht mehr so komfortablen Bus, die 400 Kilometer bis ins Atherton Table Land. Wir verlassen Cairns in südliche Richtung, nach ca. 80 Kilometern fahren wir rechts Richtung Ravenshoe. Und wie ich es aus Australien kenne, ist unser Driver auch ein guter Tourguide! Über sein Headset redet er fast pausenlos. Er erklärt, dass die endlosen Zuckerrohrplantagen die Haupteinnahmequelle des nördlichen Queenslands sind, und wie es aussieht, wohl keine schlechte, immer wieder tauchen inmitten der grünen Wüste stilvolle Farmhäuser auf. Manche liegen auf einem kleinen Hügel, von wo aus die Familie dann sicher einen tollen Ausblick über ihre Felder hat.
Je weiter wir von der Küste wegkommen, desto grüner ist die Landschaft die Straße wird immer schmaler und kurviger, links und rechts von Weideland gesäumt. Unser Fahrer erzählt von den riesigen Rinderfarmen, die es in dieser Gegend gibt. Irgendwo hier in der Nähe muss der Gyllies HWY sein, eine schmale Straße, mit 750 Kurven auf 55 Kilometer. Wir sind ihn 2003 mit den Motorrädern gefahren, war schon eine tolle Sache! Aber unser Bus fährt eine andere Strecke, dafür bin ich auch sehr dankbar, denn bei den vielen Kurven würde mir sicher im Bus schlecht werden.
Wir fahren durch Milaa Milaa, und in Ravenshoe machen wir eine kurze Kaffeepause! Die Landschaft wird immer hügeliger und einsamer, am Mt. Garnet biegt der Bus auf eine Gravelroad und für 40 Kilometer ziehen wir eine dicke Staubwolke hinter uns her. Jetzt befinden wir uns in der Gulf Savanne Region, es ist längst nicht mehr so grün draußen, gräuliches Steppengras bedeckt die nun rötliche Erde. Auch die unterschiedlichsten Arten von Eukalyptusbäumen, bei den Aussies heißen sie einfach Gumtree, sind eher grau als grün.
Zur Lunchtime treffen wir in Undara, einem idyllischen kleinen Camp mitten in der Steppe, ein. Als Hotelzimmer dienen schön restaurierte alte Eisenbahnwaggons, auch die Rezeption ist in so einem Wagen untergebracht. Graham, unser Driver, sagt, jeder, der eine zweitägige Tour gebucht hat, soll sich an der Rezeption melden, die anderen bitte mir folgen! Der größte Teil folgt Graham, sie machen nur eine halbtags Tour. Oh, das wäre mir dann doch zu anstrengend! Vier Franzosen und wir trotten also in das kleine Kabäuschen! Hinter dem Tresen tummeln sich drei junge Mädchen, die nur unsere Namen in den PC tippen, und schon spuckt der Drucker unsere Waggonnummern aus. „Zimmerschlüssel“ gibt es nicht, alle Türen stehen immer offen, erklärt das Mädchen, es ist noch nie etwas passiert. Dann gibt sie uns einen Lageplan, erklärt uns, wann und wo es etwas zum Essen gibt und um wie viel Uhr unsere erste Tour startet.
Als wir gegen 16:00 wieder am Office stehen, warten dort schon etwa 10 Leute auf den Tourguide, der auch bald darauf auftaucht. Er heißt Bill, zur Begrüßung lüftet er kurz seinen großen Hut, schlohweiße Haare werden sichtbar, in seiner beigen Kakikleidung wirkt er wesentlich jünger und er macht einen Topfitten Eindruck. Bill erzählt ein bisschen über die Lava Tubes, dass sie auf Privatgelände liegen, das man nur mit einem Tourguide betreten darf. Wenn man nur wandern will, braucht man eine Genehmigung und muss sich im Camp ab- und anmelden. Man hat dieses unterirdische Tunnelsystem zufälligerweise bei Sprengungen für neue Telegrafenmasten entdeckt. Der Mast ist heute eine „Gedenkstätte“, er steht von einem Holzzaun umsäumt mitten in der Steppe.
Bevor wir dann endlich in den kleinen Bus steigen können, kommt von Bill erst noch die Frage:“Was für Schuhe habt ihr an? Wer Flip Flops oder Sandalen trägt kann nicht mitkommen, wir müssen auf einen kleinen Berg steigen“. Oh, was für ein Glück, in letzter Sekunde war mir in Cairns eingefallen meine Sneaker mitzunehmen, mit meinen Klapperlatschen hätte ich heute also keine Chance auf einen schönen Sonnenuntergang. Und dann fährt Bill mit uns los! Er zeigt uns die Kängurus die hier wie Karnickel rumlaufen, aber so perfekt in ihrer Tarnung sind, dass man als Laie sie leicht übersieht. Er erzählt auch, dass der Unterschied zwischen Wallabies und Kängurus nicht nur die Größe ist, sondern auch die Ohren, bei den Wallabies sind sie rund. Als es schon anfängt schummerig zu werden hält der Bus an einem kleinen Berg. Bill ruft:“ So schnell, schnell rauf“! Es ist anstrengender, als es auf den ersten Blick aussieht. Bill kommt mit einer großen Kiste hinter uns her, und als wir auf dem Gipfel angekommen sind, zaubert er aus der Kiste etliche eisgekühlte Sektflaschen und Knabberzeug. Und dann beginnt der Sunset, plötzlich sind fast alle still, selbst die zwei oder drei Kinder halten für einen Moment den Mund. Jeder start fasziniert zum Horizont! Es ist eine unglaublich schöne Stimmung! Wie sagt Anne: “Es ist ein bisschen „Gänsehaut“ Feeling“!Aber dann drängt Bill zum Aufbruch, wir müssen vom Berg runter bevor es ganz dunkel ist. Es ist jetzt schon ziemlich schwierig, den Weg über die großen und kleinen Steine zu finden, aber alle kommen heil am Bus an. Hier bekommt jeder eine Taschenlampe von Bill, und zwar solche, die man mit einer kleinen Kurbel auflädt. Er verspricht uns ein “exiting adventure“ wenn sie richtig voll aufgeladen sind, sofort dreht jeder wie wild an der kleinen Kurbel. Nach ein paar Kilometern stoppen wir in der nun fast dunklen Buschlandschaft! Aber bevor wir aussteigen, sagt Bill, noch nicht die Lampen anmachen, nur leise mir folgen. Nur gut, dass er helle Kleidung an hat, denn sonst wäre es unmöglich, ihn zu sehen. Flüsternd tapsen wir hinter Bill her. Über eine schmale Betontreppe führt er uns ein paar Stufen abwärts, und dann müssen wir uns alle auf die Stufen setzen. Und nach etwa zwei Minuten Stille sehen wir gegen den Abendhimmel, dass wir von mindestens „100 000“ Fledermäusen umzingelt sind. Auf Bills Kommando schalten wir kurz die Lampen an. Jetzt kann ich die Umgebung erkennen, wir sitzen genau vor einer der Lavahöhlen, es ist unglaublich was für ein Schwarm aus dem Eingang ins Freie strebt. Und es ist kein Flügelgeräusch zu hören, nur das feine Piepsen der Tiere. Wir steigen später noch bis an den Rand der Höhle runter und im geballten Strahl unserer kleinen Taschenlampen sehen wir, dass in der Höhle wohl noch mal 100.000 wohnen. Es ist ein beeindruckendes Naturerlebnis.
Und dann geht’s zurück ins Camp und während der ganzen Fahrt schmettert unser Driver ein Lied nach dem anderen, die meisten im Bus kennen die Lieder und singen mit, und als er dann auch die heimliche Nationalhymne „Waltzing Mathilda“ anstimmt, können wir auch mitsingen, jedenfalls den Refrain! Es ist eine unglaubliche Stimmung in dem kleinen Bus, die Kängurus, die im Lichtkegel der Scheinwerfer zu sehen sind, interessieren niemand mehr so wirklich.
Zurück im Buschcamp haben wir dann wahnsinnigen Hunger, es ist wohl schon gleich 20:00 Uhr und um 20:30 schließt die Küche. Das junge Mädchen, sie verteilt am Restaurant Eingang die Tische, guckt etwas sauer, als wir da mit 6 Personen angerauscht kommen und dann hat sie uns noch nicht mal auf ihrer Liste. Nun ist sie ganz durcheinander und muß noch die Kollegin zur Hilfe holen, aber im Laufe des Abends taut sie dann doch noch auf, und wir lernen ihren Leitspruch kennen: „ No, prob!“. Später ziehen wir dann mit unseren Gläsern um, raus ans Lagerfeuer, Bill spielt auf seiner Ukulele und singt dazu, einfach grandios! Er ist 69 Jahre und hat während seiner Army-Zeit aus Langeweile angefangen Musik zu machen, erzählt er uns später.
Die Nacht im Eisenbahnwaggon, ich teile ihn mit Anne, Jürgen teilt sich ein Abteil mit Bonsai, ist für mich eine kleine Katastrophe, ich friere erbärmlich! Die Tagestemperaturen liegen in dieser Region bei etwa 30°, aber nachts kühlt es bis auf 15° ab. Anne schläft wie ein Murmeltier, für sie ist die Temperatur gerade richtig.

 

Copyright by HeideN.