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Durch einen lauten Böllerschuss wird
das Gespräch unterbrochen, gleich
ist es 24:00!
Die große leuchtende,
gelbe Sonne, die schon seit Stunden
unter der Harbour Bridge hängt,
pulsiert nun im Sekundentakt und
wird immer etwas größer, um
Mitternacht platzt sie und damit
startet ein grandioses Feuerwerk.
Vom Brückenbogen fliegen Kugeln in
allen schillernden Farben in den
pechschwarzen Himmel, gefolgt von
strahlend hellen Sternen. Rote,
grüne, und lila Raketen explodieren
über dem gesamten Hafen. Ich weiß
gar nicht, wo ich zuerst hingucken
soll. Der Horizont wird in eine rosa
Wolke getaucht, aus der die
beleuchteten Bürotürme schemenhaft
in den schwarzen Himmel ragen.. Es
ist wirklich ein gigantisches
Feuerwerk!


Später strömen die Menschen
friedlich zur U-Bahn, die zwar
gerammelt voll ist, aber es gibt
absolut keine Randale. Niemand hat
Bierflaschen oder Schnapsflaschen in
der Hand, keiner zieht grölend über
den Bahnsteig.

Aber was machen wir
jetzt mit dem angebrochenen „Abend“
fragen wir uns, als wir vor dem
Hotel stehen? Die Zimmer sind nicht
gemütlich genug, außerdem ist die
Nacht wunderbar warm. Also, Getränke
runterholen, dann hocken wir uns auf
die Stufen vor der Feuerschutztür!
Mit einem fröhlichen „happy new year“
ziehen die Menschen vorbei, oder
bleiben auf einen kleinen „Small
Talk“ stehen, wie die beiden Jungs
aus Berlin, die uns ihren Lebenslauf
schildern.
Die Zeit wird uns überhaupt nicht
lang, ganz erschrocken stellen wir
irgendwann fest, es ist schon 4:00
Uhr morgens!

Um 10:00 treffen wir uns schon
wieder zum Frühstück, diesmal in
PADDY`S Market. Eine große Portion
Eier mit Toast, Tomaten, Würstchen,
Speck kostet dort nur 10$.
Unser "Lieblingsplatz" Die Treppe
vor der Feuerschutztür!
 Anschließend wollen wir mit der
Fähre nach Manly, damit Frank und
Margret diesen Teil von Sydney auch
kennen lernen. Aber es ist
unmöglich, eine Fähre zu bekommen,
lange Schlangen stehen vor den
Kassen! Überhaupt ist der Hafen
restlos überfüllt. Da laufen wir
dann doch lieber durch die Stadt,
schauen uns das QUEEN VIKTORIA
BUILDING an, bummeln durch den
Botanischen Garten, der jetzt wieder
wie leer gefegt ist. Nur die langen
Reihen von DIXIE –Toiletten lassen
erahnen, was hier am vorherigen
Abend los war.
Rechtzeitig gehen wir zurück ins
Hotel, wir müssen packen. Am
nächsten Tag, Freitag den 2.01.09
fliegen wir auf die Südinsel
Neuseelands, nach Christchurch. Und
da wir erst nachmittags fliegen,
können wir den Vormittag noch für
allerhand Aktivitäten nutzen,
vielleicht schaffen wir es dann nach
Manly oder vielleicht sogar bis
Parramatta. (Wir ahnen nicht, dass
Bonsai noch viel Zeit hat, um
Parratta und auch Manly zu besuchen)
Ich bin wie üblich schon früh wach,
packe die letzten Sachen zusammen.
Und suche mein Portemonnaie mit
meinen neuseeländischen Devisen. Die
ca. 70 NZ$ habe ich noch von unserem
letzten Aufenthalt 2001. Schon zum
dritten Mal packe ich meinen
Rucksack aus, davon wird Jürgen dann
auch wach, aber ich kann das Geld
nicht finden! Und auch nach dem
vierten Mal auspacken, die Geldbörse
bleibt verschwunden. Das macht mich
echt wütend, es ist jetzt also das
zweite Mal, dass ich in dieser Stadt
beklaut werde. Ich bin stinksauer
auf mich, dass ich immer so
gutgläubig alles rum liegen lasse.
Es ist noch nicht mal 7:00 als
Jürgen und ich schon mal in die
Markthallen rüber gehen. Vor lauter
Wut bekomme ich sowieso nur einen
Kaffee runter. Als wir wieder
rauskommen, sehe ich schon von
weitem Bonsai vor dem Hotel stehen.
Huch, hat der nun auch schlaflose
Nächte, wir sind doch erst in zwei
Stunden verabredet, aber Frank und
Margret sind auch unten! Beim näher
kommen kann ich erkennen, dass die
Drei ernsthaft diskutieren, was ist
passiert?
Frank und Margret gucken mich mit
großen Augen an, Bonsai guckt auch
leicht irre. Und dann sagt er, -
mein Pass ist weg -!
Wie, weg? Meinst du gestohlen? Frage
ich ganz verdattert! Woraufhin er
antwortet: „Weiß ich nicht,
jedenfalls kann ich ihn nicht
finden. Ich habe schon dreimal meine
Reisetasche ausgepackt. Das Bett von
der Wand gerückt und unter dem Bett
gelegen, der Pass ist nicht da!“ Ach
sage ich, ist der vielleicht bei
meinen Neuseeland Dollar, und
erzähle die Geschichte meines
Portemonnaies!
Anschließend gehen wir noch mal mit
Frank in Bonsais Zimmer, aber auch
sechs Augen finden das Dokument
nicht. Oh, verflixter Mist! Was nun?
Zur deutschen Botschaft, zum
Flughafen, zur Polizei oder? Das
Mädchen an der Rezeption gibt uns
die Adressen der umliegenden
Polizeiwachen. Die telefoniere ich
der Reihe nach ab. Nein, ein
deutscher Reispass wurde nirgendwo
abgegeben. Dann gehe ich ins
Internet, um die Anschrift und die
Telefonnummer der deutschen
Botschaft zu besorgen. Bonsai geht
unterdessen noch mal unter die
Dusche, er ist klitschnass, ich
kann’s verstehen.
Bei der Botschaft meldet sich eine
Computer-Stimme:: Wenn Sie heiraten
wollen, drücken Sie die 2, wenn Sie
eine Geburtsurkunde benötigen,
drücken Sie die 3, und so geht es
weiter.

Endlich sagt die Stimme, wenn Sie
Fragen zu Ihrem Pass haben, drücken
Sie die 8! Ich drücke die 8! Einen
Moment später ertönt ein normales
Klingelzeichen, und dann kommt
wieder eine Automatenstimme; leider
sind alle unsere Leitungen momentan
besetzt, bitte hinterlassen Sie
Ihren Namen und Telefonnummer, wir
rufen Sie schnellstmöglich zurück!
Oh, nein!
Als Bonsai wieder runterkommt,
entschließen wir uns zur Botschaft
zu fahren!
Wie gut, dass die U-Bahn nur 5
Minuten entfernt hält, denn wir
müssen ans andere Ende der Stadt, da
sind wir garantiert schneller mit
der Bahn, als wie mit einem Taxi.
Und eine halbe Stunde später haben
wir dann auch die Station EDGECLIFF
erreicht. Für die restlichen 10
Minuten Fußweg nehmen wir dann doch
lieber ein Taxi, da es etwas
schwierig ist, ohne Stadtplan die
kleine Straße zu finden. Wir
befinden uns jetzt in einer Gegend,
in der mehr oder weniger große
Villen stehen. Die Straßen sind
hügelig, von großen Bäumen gesäumt.
Eine sehr elegante Wohngegend! Das
Botschaftsgebäude ist dagegen recht
unscheinbar. Es gibt zwar ein
kameraüberwachtes Eisentor, das sich
aber sofort öffnet, als wir davor
stehen, aber weitere
Sicherheitsvorkehrungen sind nicht
sichtbar.
Als wir in den Warteraum kommen
staunen wir nicht schlecht, vor uns
ist eine lange Schlange, ich schätze
mal so 10 Personen. Wir stehen etwas
ratlos rum und diskutieren, da
mischt sich eine junge Frau ein, und
fragt: „Pass verloren?“ Als Bonsai
nickt, meint sie nur; hast du auch
Passbilder? Nee, natürlich hat er
keine! Und sofort bekommt er den
Tipp zurück zum Bahnhof, da kann man
Bilder machen lassen, und damit
rennt er auch schon los.
Ich reihe mich derweil in die
Schlange ein. Es vergeht wohl eine
Stunde, bis er wieder da ist, und
ich bin noch nicht so richtig
vorangekommen, denn es ist nur eine
Sachbearbeiterin hinter dem
Schalter. Die tippt die Daten der
jeweiligen Antragsteller ein, eine
junge Frau möchte eine
Heiratsurkunde beglaubigen lassen,
das nächste Pärchen möchte die
Geburt ihres Kindes anmelden. Und so
es geht immer weiter. Da müssen
Gebühren kassiert werden, Dokumente
werden kopiert. Die Frau in ihrem
Glaskasten arbeitet wirklich flink
und immer hat sie noch ein Lachen
und einen netten Spruch drauf! Wie
sich später rausstellt, macht sie
nur Urlaubsvertretung, ihre Kollegin
hatte ihr versichert, dass aufgrund
der Feiertage nicht viel los ist!
Als sie das erzählt, lacht sie laut!
Wir müssen aber trotzdem noch mal
fast eine Stunde warten bis Bonsai
endlich seinen Antrag der netten
Dame rüberschieben kann. auf ihre
Frage, ob der Pass verloren oder
gestohlen wurde, antwortet er,
wahrscheinlich verloren! Ansonsten
hätte er auch noch zur Polizei
gemusst! Dann sagt sie; wenn ich
jetzt diese Daten eingebe, verliert
Ihr alter Pass seine Gültigkeit, es
besteht also wirklich keine
Möglichkeit, dass Sie ihn noch
irgendwo finden? Ich kann Ihnen
heute keinen neuen Pass ausstellen,
dazu benötige ich die Angaben aus
Deutschland, und wie Sie ja sicher
wissen, da drüben schläft jetzt
alles! Mit ganz viel Glück habe ich
die Informationen am Montag, dann
wäre der Pass am Nachmittag
abholbereit! Nach der Belehrung
hämmert sie die Daten in den PC und
kassiert 149AU$.
Also keine Chance, Bonsai muss in
Sydney bleiben! Etwas bedrückt
fahren wir zurück ins AARONS und
Bonsai checkt neu ein, jetzt kostet
das Zimmer auch nur noch 100$.
Trotzdem fahren wir gemeinsam zum
Airport, der Große muss ja seinen
Flug umbuchen. Im Gegensatz zu
sonstigen Fahrten ist es ganz still
im Auto, ja ist schon irgendwie
blöd, den „Kleinen“ zurückzulassen!
Wie überall in Australien, gibt es
am Airport Senioren, die sich
ehrenamtlich um die Belange fremder
Menschen, meistens eben Touristen,
kümmern. Die Männer und Frauen
stecken immer in leuchtender
Uniform, in Sydney haben sie
knallrote Blazer, und ich glaube,
gelbe Hemden an! Während wir unseren
Checkin Counter suchen, macht unser
Freund
sich auf die Suche, wo er denn wohl
seinen Flug umbuchen kann, und gerät
dabei an einen dieser Senioren, an
Mister Bennett. Und der nimmt ihn
an die Hand und klappert mit ihm den
Flughafen ab. Unter anderem auch zum
Lost und Found Office.
Margret, Frank, Jürgen und ich haben
uns gerade vor einem der 28 Jet Star Counter eingereiht, da sehe ich
Bonsai, der hinter dem kleinen
Mister Bennett durch den Flughafen
eilt, in der Hand schwenkt er einen
roten Pass. Ganz aus der Puste kommt
er auf mich zugestürzt, hast du die
Telefonnummer und Adresse von der
deutschen Botschaft? Ausnahmsweise
finde ich den Zettel auf Anhieb, und
er stürzt mit Mister Bennett von
dannen.
Ja, das ist nun ein Wettlauf mit der
Zeit, wenn die nette Dame in der
Botschaft schon eine Mail nach
Deutschland gesandt hat, nützt ihm
sein wieder gefundener Pass nichts!
Aber Bonsai hat Glück, die Daten
können noch gelöscht werden! Die
149$ spendet er in die Kaffeekasse
des Konsulats. Nur fliegen kann er
nicht mit uns, sein Gepäck ist ja in
Sydney im AARONS Hotel.
So muss er doch den Flug auf Montag
umbuchen, der „Spaß“ kostet auch
noch mal ca. 70$, aber so er weiß
wenigsten, dass er wirklich am
Montag fliegen kann. Gut ist, dass
ich für Neuseeland alle
Übernachtungen vorgebucht habe, wir
werden uns in drei Tagen in
Queenstown im BELLA VISTA Motel
wieder treffen.
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