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Zu dritt machen wir uns also auf
die Suche nach unserem Gate! Als
Erstes hören wir, dass der Flieger
aus NZ aufgrund schlechten Wetters
Verspätung hat! Klasse, dieser Tag
hat es wirklich in sich! Weil mir
das rumsitzen zu langweilig ist,
streife ich mit Margret durch die
paar kleinen Boutiquen. Als uns auch
das „Shoppen“ zu langweilig ist,
schlendern wir langsam zurück! Und
da sehe ich, nur noch Frank und
Jürgen sitzen da, und die erzählen
uns ganz aufgeregt, ihr seid schon
zweimal aufgerufen worden! Gerade
war der „last call“! Aber weder
Margret noch ich haben etwas gehört!
Na, das hätte ja noch gefehlt, dann
hätten wir auch wieder im AARON`S
einchecken können! Das Flugpersonal
guckt etwas böse, und die wartenden
Passagiere auch!
Es ist schon gegen 22:30, als wir in
Christchurch (NZ) eintreffen. Und
wieder weht uns ein kalter Wind um
die Nase. Margret und Frank stehen
schlotternd vor Kälte draußen, um
noch eine zu rauchen, bevor wir mit
einem Taxi in die Stadt fahren. Im
IBIS Hotel öffnen sich die Türen nur
noch auf Knopfdruck, die beiden
jungen Männer hinterm Tresen machen
auch einen müden, aber doch sehr
freundlichen Eindruck. Leider ist es
mir nicht möglich, die bereits
bezahlte Zimmerreservierung von
Bonsai umzubuchen. Das kann nur über
Boomerang gemacht werden, und zu
allem Überfluss ist der
Internetanschluss im Hotel „out of
order“, na toll! Aber freundlich
erklärt der junge Mann den Weg zum
nächsten Internet Cafe, das schließt
aber um Mitternacht! Na, noch
toller! Es ist jetzt 23:45! Ich
schaffe es gerade noch, in dem
kleinen stickigen, heißen
Hinterzimmer die Mail an Frau
Stellmach abzusetzen.
Zurück im Hotel, ist die Bar schon
geschlossen, aber zwei junge Kellner
bringen uns noch ein paar Getränke
aufs Zimmer. So verbringen wir dann
noch ein nettes Stündchen bei Frank
und Margret auf der Bettkante, um
den aufregenden Tag nochmals Revue
passieren zu lassen!
Als ich dann später die Mappe mit
den Neuseeländischen Straßenkarten
aus meinem Rucksack ziehe, fällt mir
doch als Erstes mein schwarzes
Portemonnaie mit den NZ – Dollars in
die Hand. Oh! (Im Stillen
entschuldige ich mich beim gesamten
Personal vom AARONS in Sydney)
Samstag, 03. Januar 2009, jetzt
geht´s endlich richtig los! –
Schluss mit Pflaster treten! –
Mit einem kostenfreien Bus fahren
wir in Richtung Motorrad
Vermietstation von John Rains,
er ist der Chef von Te Waipounamu
Motorcycle Tours Ltd. Dort wartet
Reindert auf uns, der Tourguide, der
ein großes Maß „Schuld“ an meiner
heutigen Reiselust hat. 1998 haben
Jürgen und ich unsere erste
organisierte Motorradtour in USA –
Südwest gemacht, (diese Tour war
sicher ein Schlüsselerlebnis für
mich) dort haben wir auch Frank und
Margret kennen gelernt! Reindert war
der Tourguide! Er hat mir während
der drei Wochen so viel von
Neuseeland ins Ohr gequatscht, dass
wir 1999 eine Reise durch Neuseeland
gebucht haben. Wieder mit Reindi als
Tourguide. Da trafen wir dann das
erste Mal auf John Rains, und auf
„BONSAI“ !
Und nach Jahren sehen wir Reindert
wieder! Er hat sich kaum verändert,
vielleicht hat er etwas an Gewicht
verloren. Sein fröhliches,
ansteckendes Lachen hat er aber
nicht verloren!

Sofort
erklärt er sich bereit, uns nach AKARO zu
führen! Denn zum Eingewöhnen im
Linksverkehr, und weil wir auch seit
Monaten nicht auf einem Motorrad
gesessen haben, wollen wir eine
Tagestour an die östliche Küste von
Christchurch machen.
Und schon beim nächsten Tankstopp,
kommt der Profi Tourguide bei Reindi
durch. Er warnt uns vor den nächsten
Kilometern. Der Straßenbelag ist in
schlechtem Zustand, viel Bitumen,
der aufgrund der warmen Temperaturen
weich ist, und stellenweise mit viel
Split aufgefüllt wurde. Ein paar
Tage vorher hat sich gerade ein
Motorradfahrer tot gefahren, keiner
weiß so genau warum. Aber natürlich
kennt Reindi in Akaro auch den
Laden mit den besten, preiswertesten
Fisch and Chips, und wo es den
besten Kaffee gibt, weiß er auch.
Ja, das ist eben der Vorteil, wenn
man so einen Insider bei sich hat,
Da werden wir die nächsten Tage,
wenn wir wieder alleine unterwegs
sind, die eine oder andere herbe
Enttäuschung hinnehmen müssen. Aber
das gehört eben auch zu einem
Reiseerlebnis.
Auf der Rückfahrt lernen wir dann
das erste Mal die Wetterkapriolen
auf NZ kennen. Der Himmel hat sich
schon vor geraumer Zeit verdunkelt,
deshalb mussten wir auch auf den
Abstecher nach Lyttelton verzichtet,
schade! Der Wind hat sich zu einem
Sturm entwickelt, und manche Böe
lässt mich unverhofft die Fahrspur
wechseln. Besonders wenn die flachen
Berge seitlich der Straße
verschwinden. Auch Jürgen hat stark
mit den Winden zu kämpfen. Und dann,
fängt es auch noch an richtig zu
regnen. An der nächsten kleinen
Haltebucht hält Reindert, er und
auch Frank und Margret müssen ins
Regenzeug. Der nun fast schwarze
Himmel über uns lässt vermuten, dass
da noch mehr Wasser runter kommt.
Etwa 50 Kilometer vor Christchurch
entlässt Reindert uns in die
„Selbstständigkeit“, aber nicht,
ohne uns noch mal genau den Weg in
die City zu erklären. Für mich
bedeutet dass einen kleinen Moment
der Gewöhnung, wieder vorne zu
fahren, war es doch vorher sehr
entspannend, nicht den Weg suchen zu
müssen. Nun habe ich eine schwarze
Wolkenwand direkt vor mir, Blitze
zucken über der Skyline von
Christchurch. Aber wir haben Glück,
das Unwetter spielt sich mehr am
Himmel ab, wir werden nicht soooo
nass, auch das Gewitter ist nur in
der Ferne. Nach ein paar Mal
„kreisen“ fahren wir in die
Tiefgarage vom Ibis Hotel. Am
nächsten Morgen scheint die Sonne,
ein Großteil unseres Gepäcks haben
wir im Luggage Room des Hotels
deponiert, denn wir werden in neun
Tagen hier her zurückkommen.

Den Weg aus der Stadt raus zu finden
ist nicht ganz einfach. Überall ist
nur die A1 ausgeschildert, aber ich
habe keine Lust auf dieser Autobahn
ähnlichen Ausfallstraße zu fahren.
Endlich haben wir die Stadt hinter
uns. Nur wenige Autos sind auf den
schmalen Straßen mit dem griffigen
Asphalt unterwegs. Da kommt richtig
Freude bei mir auf! Weite, leicht
hügelige Landschaft und über uns
blauer Himmel!
Am Horizont die „Southern Alps“ –
Wow ! So kann es weiter gehen!

Am Lake Tekapo machen wir
einen kurzen Stopp, wie die
aufgestellten Straßenschilder
zeigen, gibt es nicht weit entfernt
Skipisten.
Später stehen wir am türkisgrünen
Lake Pukaki und haben einen
fantastischen Ausblick auf den
Schnee bedeckten Mount. Cook, der
mit 3753 Metern der höchste Berg
Neuseelands ist. Es führt nur eine
Straße zum Fuße des Berges, und die
kennen wir! 80 Kilometer hin, und
auch wieder zurück, fast
schnurgeradeaus. Also nicht gerade
ein Biker Highlight.
Und da auch
niemand von uns wandern will
verzichten wir darauf, uns den Berg
aus der Nähe anzusehen. Gegen 19:00
treffen wir, nach 360 Kilometern, in Twizel ein, im Gegensatz zu
Australien ist es um diese Uhrzeit
immer noch hell! Den Campingplatz,
auf dem ich eine Cabin vorgebucht
habe, finden wir schnell. Das kleine
Haus ist sehr geräumig,
-ursprünglich war es ja für 5
Personen gedacht grrr! Das
angeschlossene Restaurant – mit
Camping Platz Flair – bietet eine
kleine Auswahl an Counter Meals. An
das Prozedere bei der
Dinnerbestellung muss ich mich dann
erst wieder gewöhnen! Am Tresen das
Essen bestellen und bezahlen,
Tischnummer mitnehmen. Dann an die
Bar, Getränke ordern, bezahlen, und
selber zum Tisch tragen.

Am frühen Morgen, nur mit einer
Tasse Kaffee im Bauch, aber bei
strahlend blauem Himmel fahren wir
weiter. Wir kommen an diversen
großen Lachsfarmen vorbei, die man
auch besichtigen kann.

Aber ich
finde, bevor wir beim Fische füttern
zusehen, sollten wir uns lieber um
unser eigenes Futter kümmern. Aber
es dauert noch fast zwei Stunden,
bis wir ein niedliches kleines Café
finden.
Am etwa 940 Meter hohen „Lindis
Pass“ halten wir. Das graue Band der
Straße, gesäumt von blau und violett
blühenden Lupinen, schlängelt sich
durch die beeindruckende Landschaft.
Aus der Ferne sehen die Berge aus,
als ob sie mit Moos bewachsen sind,
jetzt erkenne ich die braungrünen
Grasbüschel, die dicht an dicht, wie
kleine Pompons auf den baumlosen
Hügeln wachsen. Man könnte meinen,
es ist ein samtartiger Teppich, aber
das täuscht gewaltig, das Gras ist
hart, und wenn man nicht aufpasst,
schneidet es in die Finger.
Die nächsten Stunden brauche ich
nicht auf die Karte zu schauen, die
Landesstraße 8 in Richtung
Queenstown ist die einzige
asphaltierte Straße auf etwa 100
Kilometer. Die anderen Wege und
Straßen sind alles Schotterpisten
und die dürfen wir, laut
Mietvertrag, nicht fahren.
Bei Cromwell überqueren wir den Lake
Dunstan, und wechseln auf die Straße
Nr. 6, damit sind wir kurz vor der
Touristenhochburg Queenstown, was
auch an der zunehmenden
Verkehrsdichte erkennbar ist. Und
rücksichtsvoll sind die Autofahrer
überhaupt nicht!
Heute fahren wir
nicht ins Town Center, sondern
weiter, entlang des fast 40
Kilometer langen Lake Waklatipu:


Als wir uns dem kleinen Ort
Fairlight nähern, sehe ich von
weitem eine alte Lokomotive
scheinbar mitten auf einer Wiese
stehen. Erst bei näher kommen ist zu
erkennen, dass der kleine, auf
Hochglanz restaurierte Zug vor dem
nostalgischen Bahnhofsgebäude steht.
Weiße Dampfwolken steigen aus dem
Schornstein. Und als sich die
Lokomotive dampfend und schnaufend
in Bewegung setzt, ertönt auch noch
das altbekannte, tuut tuuuuuuut!!
 
Schon vor Stunden hat uns die Sonne
verlassen, deshalb ich bin froh als
wir in Five Rivers ein kleines
Restaurant finden, in dem wir eine
heiße Suppe bekommen.
Als wir weiter fahren wollen, hat
Frank Mühe, die beladene Maschine
auf dem Schotterparkplatz rückwärts
aus einer Kuhle zu schieben. Margret
zieht schwungvoll mit, übersieht
dabei Jürgen, der in kurzem Abstand
fast quer dahinter steht. Und
schubst ihn samt Motorrad um. Ich
bekomme das alles erst mit, als es
hinter mir scheppert und poltert. Im
Spiegel sehe ich, wie Jürgen unter
seinem Motorrad liegt. Aber nichts
ist passiert, keine Schrammen, kein
blauer Fleck, kein Spiegel
abgebrochen!! Als dann alles wieder
in der Senkrechten steht, müssen wir
doch furchtbar lachen, die kleine
Margret hat doch ganz schön power!!
Auf der schmalen gewundenen Straße
Nr. 94 fahren wir Richtung Te Anau.
Wir sind auf dem Weg nach „Manapouri
Downs“, eine Schaffarm, auf der wir
heute übernachten. Zwar bekommen wir
ein Abendessen bei Murrary und
Decima , aber wir wissen nicht
genau, wie es mit den Getränken ist.
Deshalb stürmen wir in Mossburn den
Bottelshop. Die Lady an der Kasse,
mit unglaublich langen, roten
Fingernägeln, freut sich sehr über
die unerwartete Kundschaft! Auf die
Frage nach einem Geldautomaten guckt
sie mich sehr bedauernd an, im 40
Kilometer entfernten TE ANAU ist der
Nächste! Aber wir fahren heute nur
bis zu „The Key“, dort biegen wir
links in eine sehr schmale Straße
ein und außer Wiesen und Schafen
gibt es Kilometer lang nichts. Ich
werde schon etwas nervös, hier muß
doch irgendwo die Farm sein! Im
rasanten Tempo kommen uns drei
Motorradfahrer entgegen, die nötige
ich durch Winken zum anhalten. Es
sind zwar Einheimische, und der Name
„Lott“ ist ihnen auch geläufig, aber
am Ende raten sie uns nur, fahrt mal
weiter geradeaus! Na, da wäre ich
alleine ja gar nicht draufgekommen,
ha, ha, ! Tatsächlich taucht
nach ca. 3 Kilometern eine Postbox
mit dem gesuchten Namen auf,
schwungvoll fahre ich die kleine
Einfahrt hoch. Oben will gerade ein
nicht mehr ganz junger Mann in sein
Auto steigen. Etwas zögernd kommt er
auf uns zu, und bevor ich richtig
den Mund aufmachen kann, sagt er
schon, ihr seid hier falsch, ihr
wollt sicher zu meinen Eltern. Zeigt
mit der rechten Hand dahin, wo wir
hergekommen sind. Nuschelt etwas,
dass der Farmname groß am Zaun
steht, grinst noch mal freundlich,
und geht zu seinem Auto. Ich sage zu
Frank, sind wir denn blind, da war
doch nichts, aber wir fahren
natürlich zurück – bis THE KEY und
wir finden die Farm wieder nicht. Da reichts mir, ich fahre die
Hauptstraße zurück, bis in die
nächsten Hofeinfahrt. Dort hole ich
die Dame des Hauses von ihrem
Abendbrotteller weg, sie erklärt mir
trotzdem freundlich den Weg zu den
Lotts. Wir waren einfach zu
ungeduldig, nach genau 9,36
Kilometern, wieder am Haus des
Sohnes vorbei, dessen Schilderung
wir zu dritt falsch verstanden
haben, stehen wir endlich vor „
Manapouri Downs“ und verbringen
einen sehr schönen Abend. Der
Hausherr ist zwar extrem in seinen
Bewegungen eingeschränkt, er braucht
dringend eine neue Hüfte! Allerdings
beträgt die Wartezeit bis zu einem
Jahr. Wenn er die OP privat bezahlt,
würde es schneller gehen, kostet
dann aber 15.000NZ$! Aber trotz
seines Handicaps lässt er es sich
nicht nehmen, uns über die Farm zu
fahren und erzählt dabei ganz
locker, dass er 76 ist, und diese
Schaffarm erst seit neun Jahren hat.
Vorher haben sie oberhalb von
Cromwell, wohl mit einem tollen
Ausblick auf den Lake Dunstan, eine
Farm betrieben, da kam dann ein reicher dann ein reicher Chinese und hat
ihnen die Farm abgekauft. Als er uns
dann das Können seiner Hütehunde
vorführt, er richtet sie selber ab,
sind wir alle sprachlos vor Staunen.
Die Hunde gehorchen auf den
kleinsten Laut von ihm, ihre Augen
wandern nur zwischen Schafen und
Herrchen hin her, uns würdigen sie
keines Blickes. Erst als sie wieder
im Zwinger sind, da pinkelt mir dann
fast einer ans Bein. Murrary
erzählt, dass er einen guten
Shepherd schon im Welpenalter
erkennt, und zwar nur an den Augen!
Unser Gastgeber ist, trotz seines
Alters, ein total verspielter Mann.
Plötzlich kommt er mit einem bunten
Plüsch Papageien an, und sagt zu
mir, sag mal was auf Deutsch! Brav
sage ich: „ Hallo du, wie geht es?“
Und prompt wiederholt der bunte
Vogel meine Worte; Murrary amüsiert
sich königlich. Seine Frau hört ihm
immer leicht belustigt zu, oder
erzählt auch humorvolle Geschichten.
Am Frühstückstisch bekommen wir die
Geschichte einer 90 jährigen
Engländerin zu hören, die vor etwa
zwei Jahren bei ihnen zu Gast war.
Die alte Dame kam damals direkt aus
Queenstown, wo sie einen
Pharagliding-Tandem-Flug mitgemacht
hatte. Sie hat drei Tage auf der
Farm verbracht. Ist mit zu den
Schafen rausgefahren und hat sich
alles genau erklären lassen. Sie ist
dann weiter auf die Nordinsel nach
Auckland, und dort ein paar Tage
später verstorben. Er findet das
sehr amüsant und lacht die ganze
Zeit, Decima findet es nicht ganz so
lustig und versucht ihren Mann zu
bremsen. Zwecklos, er lacht sich
schlapp!
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