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Und das merken wir, als wir aus dem
klimatisierten Airportgebäude
kommen! Ich wage kaum Luft zu holen!
Wahnsinn! Es ist mal gerade 11 Tage
her, dass wir hier waren! Da habe
ich mir auf dem Viktoria Market eine
zusätzlich Fleece Jacke gekauft,
weil ich so gefroren habe!
Und
jetzt zeigt das Thermometer 32°
Ich weiß nicht, was ich noch
alles ausziehen soll, selbst in
diesen frühen Stunden ist es schon
sehr heiß! Dafür ist es in der Lobby
des „Batman Hill Hotels“ viel zu
sehr runtergekühlt. Als wir nach dem
einchecken wieder auf die Straße
kommen, bekomme ich einen richtigen
Schock! Irgendwie „gammeln“ wir nur
rum, es ist zu heiß, um großartig
durch die Stadt zu laufen, obwohl
wir den ganzen Tag Zeit haben. Uns
graust ein bisschen davor, Morgen
ins Motorradzeug zu steigen. Aber
wir haben die Bikes gebucht, und
wenn wir die Stadt hinter uns haben,
wird es sicher besser, machen wir
uns gegenseitig Mut! Als wir im
Hotel auschecken, in voller
Motorradmontur, sagt einer der
leicht bekleideten Gäste, vergesst
ja nicht, genügend zu trinken! „The temperature a very dangerous!“
Schon um 9:00 stehen wir bei „Garners
Motorbike Hire“ vor dem Tresen!
Leider sind die Verträge noch nicht
fertig, und der ganze Papierkram
dauert und dauert! Dann funktioniert
Bonsais Kreditkarte wieder nicht, zu
hohe Beträge! Und dann erzählt mir
der junge Mann, dass er keine zweite
BMW F650 hat, die hatte gerade am
Vortrag einen „crash“, er kann mir
nur die BMW 650GS/ Zweizylinder
anbieten. Klasse, mit der war ich ja
auch auf Tasmanien unterwegs, und
sie hat mir gut gefallen. Also, kein
Problem, sage ich ihm, die Maschine
kenne ich! Aber nun mach schnell!
Wir wollen los! Denn draußen wird es
immer wärmer und wärmer! Selbst
Jürgen sucht nach der Wasserflasche,
und das soll schon was heißen! Und
dann ist es doch schon 11.00, als
ich ganz vorsichtig meinen Helm
aufsetze, damit er ja nicht mein
geschwollenes Kinn berührt. Der
Wespenstich hat sich auch noch
irgendwie entzündet, und wässert
stark. Ich musste mal wieder auf
Bonsais Pflasterdose zurückgreifen!
Jetzt hoffe ich erst Mal, dass mein
Orientierungssinn sich wieder
hingeschüttelt hat. Mir graust doch
ein wenig davor, den Weg raus aus
der 4 Millionen Stadt zu finden! Und
uns allen graust natürlich vor dem
Stehen an roten Ampeln! Aber dann es
geht besser als gedacht, nur einmal
müssen wir wenden. Nach knapp zwei
Stunden machen wir in Epping eine
Trinkpause. Ich kaufe gekühltes
Wasser, denn das, was wir in den
Koffern haben, ist lauwarm, und
eigentlich nicht genießbar! Von
meinem angedachten Ziel, Albury am
Murray River, sind wir noch mehr als
300 Kilometer entfernt, das schaffen
wir nicht! Wir müssen die Tour etwas
umändern, oder besser gesagt, etwas
kürzen! Deshalb fahren wir heute
über Yea nach Mansfield. Als wir den
kleinen Ort, in dem wir 2006 schon
waren, erreichen, liegen gerade mal
200 Kilometer, durch ausgedörrte
Steppenlandschaft, hinter uns. Es
ist anstrengend, in der flirrenden
Hitze durch die „braune“ Landschaft
zu fahren. Grinsen muß ich
allerdings, am Ortseingang von
Mansfield, ist rechts der Straße
eine Firma, wo man Schneeketten,
Skier und Snowmobile mieten kann!
Ja, hier ist das Wintersportgebiet
der Melbourne Bevölkerung. Der
kleine Ort hat sich sehr entwickelt,
es wird ein neuer Campground
eröffnet, es gibt einen großen
Supermarkt. Hier scheint die
Wirtschaft
zu boomen!

Bikes sind gute Wäscheständer
Und das Motel,
in dem wir schon vor drei Jahren
waren, ist auch noch da! Allerdings
unter neuer Bewirtung.
Schon ganz früh am nächsten Morgen
setzen wir unsere Reise fort. Unser
Tagesziel ist Echuca am Murray
River. Die ersten 60 Kilometer aus Mansfield
raus sind traumhaft! Die Straße ist
von großen Eukalyptusbäumen
beschattet, und über allem hängt der
Duft Eukalyptusduft! Die Bonbons mag
ich eher nicht, aber hier rieche ich
es sehr gerne.
Ich denke vier Jahre zurück, da
waren wir auch in dieser
kurvenreichen Landschaft unterwegs,
aber da hat es so geregnet, und wir
haben so gefroren wie selten zuvor!!
Ja, und heute, ist es so warm wie
selten zuvor! Es ist nicht möglich
mit geöffnetem Visier zu fahren, der
Fahrtwind fühlt sich an, als ob er
aus einem Föhn kommt!
In Bonsais Motorradkoffer zeigt sein
Wecker/Thermometer 50° an, und so
warm ist unser Trinkwasser auch
fast! Aber immerhin schafft es jeder
von uns, zwischen 3 und 4 Litern von
dieser warmen Brühe zu trinken. Am
frühen Nachmittag, nach 210
Kilometern, sind wir in
Echuca und
steuern ein zentrumsnahes Motel an!
Schon der Weg zur Rezeption, über
den Parkplatz durch die pralle
Sonne, bedeutet Überwindung! Wir
haben uns nicht länger als zehn
Minuten aufgehalten, jetzt wollen
wir die Bikes vor unsere Zimmer
fahren, die Sitzbank ist so heiß,
das ich mich kaum hinsetzen mag.
In den Zimmer ist es stickig
und warm!
Als
Erstes suche ich die Klimaanlage.
Ich will schon fast zu Bonsai
laufen, um ihm zu sagen, hier
gibt’s keine Aircondition, wir
suchen uns was anderes, als ich
erleichtert den kleinen Schalter
kurz über der Fußleiste sehe! Und
nun wird der Raum auf 20°
runtergekühlt, und ich will nur noch
raus aus dem Motorradzeug!
Aber so einen großen Unterschied
macht die Bekleidung bei diesen
Temperaturen gar nicht aus! Uns ist
es jetzt auch noch zu warm, und wir
sind nicht wirklich voller
Tatendrang, als wir durch die kleine
niedliche, aber fast menschenleere,
Stadt laufen. An einem Shop hängt
ein Schild: “Sorry we`r closed, we
are fishing”!

Viele touristische Attraktionen, wie
die Raddampferfahrten auf dem
Murray, und auch die abendliche Cruising
Tour, finden nicht statt. Das
Museumsdorf ist auch geschlossen.

Mit anderen Worten, die
Einheimischen leiden genau so unter
der Hitze wie wir. Kurz vor
Dunkelheit gehe ich noch mal an den Fluß runter. Das fast grüne Wasser
fließt träge dahin, aber es bringt
keine Erfrischung. Schon nach ein
paar hundert Metern kehre ich um,
ich kriege einfach keine Luft mehr.

Und sogar, die
sonst immer schreienden, weißen
Kakadus habe sich in den Schatten
verkrochen, und halten den Schnabel.


Um 19:00 guckt Bonsai auf seinen
Wecker, das Thermometer zeigt 43°!
Freitag 30.Januar, wir müssen nach
Halls Gap! Vor Monaten schon habe
ich dort Zimmer für uns gebucht.
Also ca. 320 Kilometer durch flaches
offenes Weideland. In dieser Region
von Victoria gibt es keinen
Regenwald, nur vereinzelt stehen mal
ein paar Eukalyptusbäume am
Straßenrand. Das heißt, wir werden
wahrscheinlich den ganzen Tag voll
die Sonne „genießen“ müssen! Ganz
früh machen wir uns auf den Weg in
die Grampians! Aber eigentlich ist
es egal, denn es ist auch jetzt
schon brütend heiß! Nur die
Sitzbänke sind noch nicht so
aufgeheizt! In Bendigo, eine
durchaus sehenswerte Kleinstadt,
wenn es denn nicht so warm ist,
frühstücken wir. Ich bestelle mir
einen Muffin und Kaffee. Der Muffin
entpuppt sich als ein umgeklapptes
Spiegelei mit Speck und Brötchen.
Hat sehr gut geschmeckt!
Die Abstände zwischen den einzelnen
Trinkstopps werden immer kürzer!
Bonsai hat inzwischen seine eigene
Technik entwickelt, er trinkt
während der Fahrt! Ich bin froh, als
wir den Gebirgszug der Grampians vor
uns haben, nun ist es nicht mehr
allzu weit! Als wir im Best Western
Motel einchecken, wir wollen für
zwei Nächte bleiben, holen wir alle
einmal tief Luft
– geschafft - !
Noch in voller Montur packt
Bonsai in Windeseile seine Maschine
ab, dann sagt er grinsend, jetzt
hole ich uns erst mal etwas
Richtiges zu trinken! Und fährt von
dannen! Aber es dauert und dauert,
sicher ist schon mehr als eine halbe
Stunde vergangen, er ist immer noch
nicht zurück. Gerade als ich zu
Jürgen sage, ich glaube, ich fahr
los und suche ihn, denn ich weis
noch aus der Vergangenheit, der
Bottleshop ist nur fünf Minuten
entfernt, höre ich die klappernde
BMW. Witzigerweise fährt Bonsai
dieselbe BMW, mit der Gerald 2006
unterwegs war. Damals hat die
Maschine nur bis Dartmoor gehalten!
Der Achsantrieb hat so viel Öl
verloren, dass Garners die Maschine
austauschen musste. – Bonsai hat
schon am gestrigen Tag festgestellt,
der Antrieb verliert immer noch ein
bisschen Öl – Aber das ist nicht der
Grund für seine lange Einkaufsfahrt,
er konnte keinen Bottleshop finden!
Erst, nach dem er ein paar
Einheimische gefragt hat, die ihm
den Weg zu dem 15 Kilometer
entfernten Laden erklärt haben.
Als wir später durchs Dorf laufen,
lachen wir uns aber richtig schlapp!
Wahrscheinlich ist Bonsai auf einen
Einheimischen getroffen, der auf den
Besitzer des Bottelshops in Halls
Gap nicht gut zu sprechen ist. Denn
der Laden ist noch an genau
derselben Stelle, nur das
Schaufenster hat sich verändert!
Auch wenn es hier in den Bergen
nicht ganz so heiß ist, starten wir
ziemlich früh am nächsten Morgen !
Die letzten Kängurus sitzen noch auf
der Straße, als wir zu den „Balkonies“
fahren.

Es ist endlich mal wieder eine
richtige „winding road“, in schönen
Kurven schlängelt sich die Straße
den Berg hoch. Tückisch sind
allerdings die „Viecher“, zum ersten
Mal sehe ich ein Rudel wilder
Hirsche den Berg hochstieben. Bisher
habe ich Rotwild hier nur auf den
eingezäunten Wiesen gesehen.
Australien und auch in Neuseeland
werden Rehe und Hirsche wie Rinder
gehalten.

Irgendwann finden wir eine nette
Frühstücksbude, und mitten im Busch
eine Tankstelle! Hier kostet das
Benzin dann auch gleich 1,56$ und
der Besitzer betankt uns mit einem
„Berg“!
Mittags kehren wir ins Hotel zurück,
ich fange schon mal an, einen Teil
des Gepäcks zu verstauen. Dabei sehe
ich im TV die Schreckensbilder der
Buschbrände in „Gippsland“,
nordöstlich von Melbourne, nicht
weit von Mansfield entfernt.
Mit großer Erleichterung stelle ich
nach einem Blick auf meine Landkarte
fest, wir werden aus der
nordwestlichen Richtung zurück nach
Melbourne fahren.
Aber am Nachmittag fahren Bonsai und
ich, Jürgen ist es zu warm, dann
noch mal die Berge ab. Besonders das
30 Kilometer lange Stück
Einbahnstraße!
Es macht sehr viel Spaß, durch die
Kurven zu fahren, in dem
Bewusstsein, dass von vorne niemand
kommt! Obwohl man trotzdem sehr
aufpassen muss, es laufen auch um
diese Tageszeit schon wieder
Wallabies über die Straße!
Sonntag 01.02.09: Heute Nachmittag
müssen wir die Bikes in Melbourne
abgeben, nun ist definitiv der
letzte Tag unserer Motorradtour
angebrochen! Die Sonne knallt nicht
mehr so erbarmungslos vom Himmel,
trotzdem machen wir uns schon vor
8:00 auf den Weg. Wir wollen
unterwegs noch ein paar Stopps
einlegen. Nach vier oder fünf
Kilometern wundere ich mich, dass
Bonsai so weit zurück hängt, auch
als ich langsamer fahre, dauert es
geraume Zeit, bis er dran ist. Als
ich stoppe, kommt er langsam
angefahren und sagt, mein Motorrad
hat irgendwas!
Ja, klar! Du hast hinten fast einen
Platten! Los, schnell zurück zur
Tankstelle! Vorsichtig wendet er,
und fährt bis Halls Gap vorweg.
Hier bitten wir den netten Tankwart,
die Handynummer unseres Vermieters
anzurufen, da wir ja nur 250
Kilometer von Melbourne entfernt
sind, muss jemand von Garners kommen
und das Bike aufladen! Aber der
Vermieter hat entschieden, wir
sollen versuchen den Reifen mit
Flüssiggummi dicht zu machen! Beim
Einfüllen des Dichtmittels hilft uns
der Tankwart, obwohl es bei seiner
Körperfülle für ihn gar nicht so
einfach ist, in die Knie zu gehen.
Noch einmal ordentlich stramm Luft
aufpumpen, dann fahren wir los! Nach
40 Kilometern, an der nächsten
Tankstelle, hat der Reifen nur
minimal an Luft verloren. Das ist ja
ganz beruhigend! Aber trotzdem
fahren wir auf kürzestem Weg, nur
einmal machen wir eine Pause bei „Subway“,
um eine Kleinigkeit zu essen, nach
Melbourne. Ich bin froh, dass mein
Orientierungssinn wieder
funktioniert, denn ohne uns auch nur
einmal zu verfahren, kommen wir bis
zu Garners in die Peelstreet, wo wir
dann allerdings noch fast zwei
Stunden warten müssen, bis der junge
Mann kommt und uns die Motorräder
abnimmt!
Am Abend bummeln wir noch etwas
durch Melbourne, jetzt ist es
angenehm warm und ein leichter Wind
weht! Viele, viele asiatische
Menschen, Bonsai ragt wie ein Fels
aus der Masse, drängen sich am Yarra
River. Hier findet eine Feier zum
Chinesischen Neujahr statt. Auf dem
Quai sind zahlreiche weiße Zelte
aufgestellt, aus denen asiatische
Musik und diverse asiatische Gerüche
strömen!

Erschreckend wird mir bewusst, eine
wunderschöne Zeit neigt sich dem
Ende entgegen. Morgen fliegen wir
nach Singapur zu einem dreitägigen
Stopover!
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