Über Neuseeland nach Australien

2010........

....meine erste Reise alleine nach Down Under..
Hier geht´s ums Reisen... mit dem Motorrad, oder manchmal .....auch ohne!scater

Motorradfahren im Land der langen weißen Wolken, und auch durchs rote Zentrum von Australien!
14.12.2009 - 03.05.2010

 


gruebel

Januar 2010, Hochsommer in Neuseeland
die kleine Stadt Queenstown versinkt fast in den Wolken


10.01.10

Das trommeln des Regens hält mich fast die ganze Nacht wach, und um 8:00 bin ich eigentlich schon reisefertig, ohne wirklich zu wissen, welche Richtung ich einschlagen soll!
Alle sitzen schon um den Frühstückstisch, Don fragt mich, ich habe ihm übrigens nicht gesagt dass ich mal einen Pudel hatte, der Don hieß, ob ich wieder ein „1,2,3,…..Ei“ möchte.
Nein danke, heute nicht! Ich habe keinen Appetit! Der Engländer sagt zu mir, du musst Motorradfahren schon sehr lieben, wenn du bei diesem Wetter aufsteigen willst. „What can I do I can’t chance it!“ !
Wir halten noch ein bisschen Konversation, wobei rauskommt, dass Joy 6 Enkelkinder hat, ein 6jähriger ist Autist. Die englische Lady erzählt, dass ihre Schwester ebenfalls ein autistisches Enkelkind hat, und dann sind schon wieder Krankheiten das Thema, und über alle Allergien sind wir dann bei „Gluten frei“.
Denn auch den anderen beiden ist aufgefallen, dass ganz viele Gluten freie Produkte angeboten. Das kennen Sie von UK nicht, und mir ist es in den heimischen Supermärkten auch noch nicht so ins Auge gefallen. Joy sagt es gibt ganz viele Menschen mit Allergien in NZ, und einige Ärzte behaupten sogar, dass Autismus auch mit Glutenunverträglichkeit zusammenhängen kann. Ich kann mir darüber kein Urteil erlauben, aber irgendwie hat man in NZ in manchen Sachen eine merkwürdige Weltanschauung. Wenn ich beispielsweise Bargeld am ATM abhebe und dafür eine Quittung verlange, werde ich gefragt ob ich weiß, dass ich damit Umweltverschmutzung betreibe! Wenn ich aber im Supermarkt zwei Flaschen Wasser kaufe, wird jede in eine Plastiktüte verpackt, und da fragt niemand, ob ich das möchte! Egal, ich fange jetzt an mein Gepäck raus zu tragen, auch die andern Gäste machen sich auf den Weg.
Ich habe mich, nachdem ich noch mal ins Internet geguckt habe, entschlossen nach Twizel zu fahren. Wenn das Wetter sich am Montag ändert, kann ich von dort immer noch ein bisschen gen Süden fahren. Joy sagt, ja, das ist gut, fahr die „middle road“ dort ist am wenigsten Regen! Sie umarmt mich, be carefully my dear, gibt sie mir mit auf den Weg. Auch Don sagt, drive safety Hediiiiii, und auch er umarmt mich zaghaft –……hab schon Helm und Rukkajacke an - hapuu, grins .- !
Alles was ich an langärmeligen Shirts mithabe – es sind immerhin vier – habe ich am Körper. Es ist kuschelig warm als ich mich auf mein Mopped schwinge – nee, eigentlich kann von „schwingen“ keine Rede sein, ich bewege mich wie ein „Michelin Männchen“ meine Jacke ist schrecklich eng. Heute fahre ich nicht „meine“ Abkürzung sondern den offiziellen Weg. Es sind 9 Grad, also gar nicht so kalt, und es nieselt auch nur ein bisschen, hab ich alles schon viel schlimmer gehabt – denke ich so vor mich hin. Links und rechts der Straße sind zwar große Seen, aber da will ich ja nicht fahren. Als ich hinter Mossburn links auf die Landesstraße 6 biege, vor hier wollte ich ursprünglich weiter gen Süden, türmen sich vor mir nicht nur Berge auf, sondern ein fast schwarzer Himmel. Am liebsten wäre ich auf der Stelle umgedreht, denn da ich die Strecke ja kenne weiß ich, dass es keine Ausweichmöglichkeit bis Queenstown gibt, und dass sind mehr als 100 Kilometer. Ich könnte heulen, aber dafür ist dann auch schon zu spät! Es prasselt ein unbeschreiblicher Regen auf mich runter. Kaum, dass ich den Mittelstreifen erkennen kann! Dann habe ich auch wieder Wassertropfen innen im Visier und auf der Brille, es ist zum verrückwerden! Gegen den Wassereinlass in meine Hosennaht, habe ich die Griffe einer Plastiktüte an meiner Kartentasche festgeknotet, und dann den Boden der Tüte unter meine Jacke geschoben, so habe ich da ein „kleines Dach“ und das funktioniert sogar, denn mein Hintern ist immer noch trocken. Ich fahre zwischen 70 – 80 kmh im dritten Gang, weil ich denke, damit ist das Hinterrad immer gut unter „zug“! Ich weiß nicht wie viele Kilometer ich so schon hinter mir habe, es schüttet ohne Unterlass, und der Himmel wird auch nicht heller!
Und plötzlich denke ich mein Herz bleibt stehen, schiebt sich doch da vor meinem Mopped eine gelblichgraue Flutwelle hoch und kommt übers Vorderrad, fast im selben Moment fühle ich wie mir das Wasser gegen die Schienbeine knallt. Ich habe das Gefühl meine Knie sind unter Wasser, und dann ist der Spuk auch schon vorbei!! Ich habe diese „flood way“ nicht gesehen!
Die Senke mag vielleicht 50 Meter mehr oder weniger lang gewesen sein, keine Ahnung, ich habe es einfach nicht gesehen. Ich bin immer noch ganz starr vor Schreck, und überlege ob ich mal kurz anhalte, um meine sieben Sinne wieder beisammen zu bekommen! Aber soll ich mich jetzt hier in den Regen stellen, nein, dass hilft mir auch nicht, nicht allzu lange drüber nachdenken ist besser! Ich bin ja heil durchgekommen, aber ich fahre doch wie auf „Eiern“ weiter. Ich bin zwar immer noch trocken unter meinem Goretex, ich muß schon sagen, die Jacke ist genial, aber trotzdem friert mich jämmerlich. Das Thermometer signalisiert mir 6° Grad – und dann das Wasser dazu. Mir kommt die Erinnerung an Australien 2005 – als wir im Regen und Nebel von Mansfield nach Bright gefahren sind, dass war ja auch eine schreckliche Tour – aber hier und heute, könnte ich das Hobby „Motorradfahren“, - sofort aufgeben -! Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal kalte Füße hatte, aber heute sind sie so kalt, dass ich nicht mal mehr die Zehen fühle, unglaublich! Ich bin total steif gefroren, was natürlich Quatsch ist, die Temperatur ist ja über Nullgrad! Aber ich fühle mich so Als die Hinweisschilder auf den Lake Wakatipu linkseitig der Straße auftauchen, weiß ich dass ich am Ende der Küstenstraße bin, und das in ca. 40 Kilometer, Queenstown liegt. Und da suche ich mir eine Áccoomodation! Ich bin zwar erst seid rund drei Stunden unterwegs, aber mir reicht es für heute. Als ich um eine Kurve komme, liegt links vor mir der See, der sich heute als graue wabernde Masse darbietet. Das ist aber auch das einzige Mal, dass ich ihn mir angesehen habe, denn wenn ich heute Wasser sehe, egal in welcher Farbe, tun mir nur noch die Augen weh.! Ich habe eine Wasserphobie, jedenfalls für heute!
Die Ampel an der Einwegbrücke bei Frankston, zwingt mich zum anhalten, und damit muss ich das erste Mal die Füße bewegen. Ich glaube es knirscht und kracht in den Gelenken, so steif bin ich. IUnd dann komme ich nach Queenstown, es regnet immer noch! Ich steuere das Bella Vista Motel an, dort waren wir im Januar. Leider „no vacancy“ ! Und dann fange ich an, durch diesen fürchterlich vollen Ort zu eiern, auf der Suche nach einer Übernachtung. Eigentlich wollte ich hier überhaupt nicht her, aber heute würde ich sogar 200$ für einen geheizten Raum bezahlen! Na ja ganz schlimm wird es denn Gott sei Dank doch nicht, ich finde eine für 130$. Auch noch teuer genug!



Das Badezimmer kann man nur über einen Automaten beheizen, wenn ich einen Knopf, der auf einer Feder sitzt, reindrücke, springt der Heizlüfter unter der Decke an. Und nach etwa fünf Minuten stellt sich der Lüfter wieder ab, dann ist nämlich der Knopf wieder draußen. So bekomme ich meine Sachen ja nie trocken! Und was mach ich da? Aus dem Plastikverschluss meiner Milchflasche, gibt es hier immer beim einchecken, schnitze ich mir einen Keil, und den klemme ich seitlich neben den Kopf. Nun brennt der Heizlüfter Stunde um Stunde – meine Sachen sind morgens trocken!




11.01.10
Und das ist auch gut so, denn es regnet immer noch als ich morgens meine Rolle aufschnalle. Ich überlege wie ich hier wegkomme. Nach Frankstone möchte ich eigentlich nicht zurück, die Straße besteht nur aus Bitumen. Das war gestern schon ein total schlechtes Gefühl, denn obendrein ist da auch ein hohes Verkehrsaufkommen. Gut, dann fahre ich Richtung Arrotown wieder raus. Das ist zwar ein ca. 30 Kilometer langer Umweg, die Straße geht auch sehr kurvig durch die Berge, ist mir aber lieber als diese „Bitumen“ Straße. Als ich so, mehr oder weniger fröstelnd durch die Gegend fahre, mache ich mit mir selber „gefühlte Körpertemperatur“ raten. Leichtes Fröstelgefühl = 12 Grad, stärkeres Frieren = 9 Grad, laufende Nase= 7 Grad, laufende Nase, tränende Augen, kalte Füße = 6 Grad. Ich muss das ja schon mal abchecken, denn auf Tassie habe ich ja nicht so ein komfortables Bike Ich habe mir überlegt heute bis Twizel zu fahren. Wenn ich dort ein gutes Motel finde, werde ich zwei Nächte dort bleiben, vielleicht einen Tag zum Mt. Cook fahren, oder irgendwie.

Die Südküste und die Catlins kann ich mir abschminken, selbst wenn es jetzt noch ganz tolles Wetter wird, habe ich keine Lust dort „mal eben“ durchzufahren. Ich dümpel so vor mich hin, die Strecke ist nicht besonders aufregend, es nieselt nur noch. Hinter Cromwell sehe ich den ersten blauen Himmel, und von da ab wird das Wetter stetig besser. Die Temperatur klettert auf „14 Grad“ Wahnsinn!

Die Wiesen und Felder um mich herum sind gelb oder besser braun! Überall laufen die Rasensprenger – oder ob die Leute ihre Keller leer pumpen? Quatsch, hier haben die Häuser keine Keller! Es ist, als wäre ich plötzlich auf einem anderen Kontinent – die Straße ist trocken - ! Aber irgendwie ist die Luft raus bei mir, so richtig schwungvoll bin ich nicht mehr!
Nach ein bisschen Suchen finde ich in Twizel ein nettes Motel mit kostenlosem W- lang Internetzugang - gegenüber liegt der Campground wo wir im Januar waren, ich miete mich gleich für zwei Nächte ein, gefühlsmäßig ist für mich die Motorradtour hier zu Ende!


 12.01.10

Bei Sonnenschein fahre ich zum Mt. Cook, eigentlich
wollte ich gar nicht. Aber mein Hauswirt hat gesagt,
wer bei diesem tollen klaren Wetter nicht zum Berg fährt,
wird es immer bereuen! Solche klare Sicht gibt es hier
nur selten! Gut, ich lass mich überzeugen, und habe es
nicht bereut!So schön hatte ich die Gegend wirklich
nicht in Erinnerung!





Sonnenschein am Mt. Cook.....unglaublich schön!



13.01.10
Es ist noch nicht 9:00 da habe ich mein Gepäck schon verladen. Jetzt will ich zügig die ca. 280 Kilometer bis nach Christchurch hinter mich bringen. Bei Geraldine gönne ich mir einen kleinen Schlenker über die Scenic Route Nr.72, auch wenn es ein paar Kilometer mehr sind. Den 1er Highway zu fahren muß ich mir nicht auch noch unbedingt antun. Die einzige Pause an diesem Tag ist das voll tanken am Stadtrand von Christchurch. Zügig finde ich das IBIS Hotel in der Hereford Straße und checke ein, damit ich meine Sachen vom Mopped los werde.
Die Lady von der „Scooter-Vermietung“ schaut mich fragend an, als ich sage, hallo alles okay, strahlt sie!
Ihre andere "Biieemmmdabbeljuu" ist gerade von jemandem in Auckland zerlegt worden, und der wartet jetzt auf ein Ersatzbike. Als wir den Papierkram fertig haben, sagt sie etwas vorwurfsvoll, du hast ja 4530 Kilometer gefahren. Ja, wenn das Wetter besser gewesen wäre, hätten es gut und gerne 5000 werden können.


Auf Wiedersehen Christchurch



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